Alltag mit Kindern

Unser Besuch in der Notaufnahme

Heute ist etwas passiert, was mir noch nie mit einem meiner Babys passiert ist: Motti ist aus dem Bett gefallen.

Und zwar so richtig. Kopfüber, direkt auf den harten Boden und der Knall war so laut, dass ich es unten in der Küche gehört habe. Natürlich war das Bett abgesichert und natürlich habe ich sie überwacht. Aber Unfälle passieren trotzdem. Hier berichte ich euch von unserem Besuch in der Notaufnahme der Kinderklinik.

Direkt nach dem Sturz hat sie erst einmal sehr geweint, was ja schon einmal ein gutes Zeichen ist – viel schlimmer wäre es, wenn sie ohnmächtig gewesen wäre. Als ich sie beruhigen konnte, habe ich sofort nach Wunden geschaut. Erst der Kopf: Eine dicke Prellung an der Stirn. Ganz oben am Haaransatz. In der Nähe der Fontanelle… Ist der Schädel dort wohl eher stabil oder eher instabil auf Grund der Nähe zur Fontanelle?! Ja, solche Gedanken mache ich mir.

Bei mir verzögert sich der Schock nämlich immer sehr. Erst funktioniere ich einfach nur wie ein Roboter. Das muss ja auch sein, wenn man viel allein ist mit den Kindern.

Und mit den Jungs habe ich schon so, so viele Unfälle erlebt. Wir waren schon oft mit ihnen in der Notaufnahme und es musste auch schon oft mal eine Wunde genäht werden oder etwas eingerenkt. Zum Glück war bisher zumindest noch nie etwas gebrochen. Toi toi toi… Aber zumindest hat mir das viel Wissen eingebracht und eine gewisse Routine.

Also ging ich im Kopf die Liste an wichtigen Symptomen durch. Nach so einem Sturz auf den Kopf ist die größte Gefahr eine Hirnverletzung (Gehirnerschütterung, -prellung bis hin zur -quetschung). Zum Glück gibt es Warnsignale, auf die man achten sollte:

  • Bewusstlosigkeit?
  • Schwindel?
  • Übelkeit, Erbrechen?
  • Pupillen gleich groß und die Pupillenreflexe vorhanden?
  • Schläfrigkeit?
  • Kopf normal beweglich?
  • Lähmungserscheinungen?
  • und bei Größeren noch: Erinnerungslücken und Kopfschmerzen (das kann ein Baby ja noch nicht äußern)

Alles war zum Glück sehr normal, fand ich.

Wobei ich den Punkt „Schläfrigkeit“ generell eher schwer zu beurteilen finde bei Kindern. Die sind ja häufig etwas müde nach so einem Schreck.

Aber es war mein erstes Mal, dass eins meiner Babys so eine Prellung hatte (noch dazu am Kopf!!!). Und ich bekam auch das Geräusch nicht aus dem Kopf, wie sie auf dem Boden aufgeprallt war. Das war so laut gewesen!

Also wollte ich ganz sichergehen und fuhr in die Kinderklinik.

Im Eingangsbereich des Krankenhauses habe ich mich an einem Empfang angemeldet. Ich musste kurz erklären, was passiert ist, hab die Versichertenkarte gezeigt und bekam dann ein paar Papiere mit. Es wurde auch direkt gefragt, wie es Motti denn ging: Ob sie sehr schläfrig war? Oder sonst irgendwie komisch? Ob sie gebrochen hatte? Damit werden die Patienten priorisiert. Und zum Glück wurden wir bestimmt weit unten angesiedelt.

Merke: Je länger du in der Notaufnahme wartest, als desto weniger schlimm wurde dein Zustand bei der Ankunft dort eingeschätzt! Also sei froh, wenn du warten „darfst“.

Mama und Baby warten in der Notaufnahme

Nachdem ich alle Fragen verneinen konnte, durfte ich in den Wartebereich gehen. Neuerdings bekommt man eine Nummer, mit der man dann aufgerufen wird. Wegen des neuen Datenschutzgesetzes werden keine Namen mehr aufgerufen.

Es dauerte eine knappe Stunde, bis wir weitergeleitet wurden in die eigentliche Notaufnahme. Ich hatte zum Glück zuhause noch ein Fläschchen für Motti eingepackt und dazu Spielsachen und eins meiner Mini-Wickelpacks. Für mich habe ich zwischendurch in der Cafeteria ein bisschen was zu trinken und zu essen besorgt.

Als wir aufgerufen wurden, konnten wir direkt in einen Untersuchungsraum weitergehen. Dort gab es eine Untersuchungsliege, ein Waschbecken und den typischen Schreibtisch mit PC oben drauf. Hier haben wir dann nochmal kurz gewartet, bis eine Ärztin zur Tür herein kam und uns begrüßte. Ohne Händeschütteln, denn darauf stehen die meisten Ärzte wegen der Infektionsgefahr ja mal so gar nicht.

Untersuchungsraum Notaufnahme, liege mit Ultraschallgerät

Ich erklärte ihr wieder, was passiert war. Sie frage mich, wie schwer Motti ist und ob sie auch auf den Bauch gefallen war. Ich hatte keine Ahnung – dem Geräusch beim Aufprall nach zu urteilen war sie direkt auf den Kopf gefallen.

Nun erklärte mir die Ärztin, dass sie Kinder unter einem Jahr in solchen Fällen routinemäßig für 48 Stunden zur Überwachung ins Krankenhaus aufnehmen.

Das wollte ich nicht so gern. Und das aus verschiedenen Gründen:

  1. „Zur Überwachung“ heißt einfach nur, dass alle paar Stunden eine Krankenschwester etwas kontrolliert und das kann ich als Mutter zuhause auch machen. Vielleicht sogar besser, da ich nicht nur alle paar Stunden ins Zimmer schaue, sondern immer bei Motti bin. Ich fragte die Ärztin nochmal, was konkret die Krankenschwester (oder natürlich der Pfleger, ich will ja hier keinen diskriminieren) kontrollieren würde: Es waren in unserem Fall das Auftreten genau der „gefährlichen Symptome“, die ich oben schon erwähnt habe. Zusätzlich wird dauerhaft die Sauerstoffsättigung im Blut gemessen.
  2. Was sollte ich mit den Jungs machen, wenn ich für zwei Tage ins Krankenhaus gehe?
  3. Wenn ich zum Kinderarzt gefahren wäre, dann hätte er mich auch nach Hause geschickt. Sagte die Ärztin.
  4. Im Krankenhaus ist die Gefahr groß, dass man sich irgendeine eklige Krankheit einfängt und dann mit nach Hause bringt. Schließlich liegen dort Kinder mit allen möglichen Krankheiten und überall schwirren die nettesten Viren herum.

 

Sie fragte dann aber trotzdem, ob ich mir bewusst sei, dass ich MICH SELBST AUF EIGENE GEFAHR entlassen müsste. Sprich, der Klink schriftlich bestätigen müsste, dass ich auf eigene Gefahr und entgegen jeden ärztlichen Anratens das Krankenhaus wieder verlasse. Und dass sie mich vorher schriftlich darüber aufklären müsste, dass bis hin zum Tod meines Kindes alle möglichen Komplikationen auftreten könnten.

Das klingt natürlich erst mal schrecklich, ist aber die normale Vorgehensweise. Die man allerdings bestimmt auch etwas sensibler hätte ausdrücken können. Ich fragte dann, was man denn für Untersuchungen machen würde. Sie sagte, man würde eine Ultraschalluntersuchung von Kopf und Bauch machen, um Verletzungen am Gehirn und am Bauchfell auszuschließen.

Nachdem wir also geklärt hatten, dass ich nicht im Krankenhaus bleiben würde, ging es los ins nächste Zimmer drei Gänge weiter zur Ultraschalluntersuchung.

Eine ganz liebe Ärztin, selbst Mama, pfiff beruhigende Liedchen bei der Untersuchung, und schaute dabei durch die Fontanelle in Mottis Gehirn nach dem Rechten. Es war alles gut.

Baby liegt auf Untersuchungliege bei Ultraschalluntersuchung.

Dann kam der Bauch dran, Motti wollte mittlerweile nur noch schlafen und war natürlich sauer, dass wir sie immer wieder geweckt haben. Aber sie schlief tatsächlich auch immer wieder ein bei der Untersuchung, so ruhig und sanft hat die Ärztin sie untersucht. Und ich hab meinen Kopf genau neben ihren gelegt, damit sie meine Haut spürt. So konnte ich auch in ihr Ohr sprechen und sie beruhigen. Das klappte wirklich gut.

Auch im Bauch war alles ok. Puh. Danach gib es wieder zurück zum Empfang der Notaufnahme und dort musste ich noch die Dokumente zur Bestätigung unterschreiben, dass ich auf eigene Verantwortung gehe.

Alle lächelten mittlerweile auch entspannt. Ich habe am Ende die Ärztin nochmal gefragt, wie sie denn gehandelt hätte, wenn sie Kinder hätte. Sie meinte nur: „Der Kinderarzt hätte sie ja auch nach Hause geschickt.“ Und lächelte. 

Ich war nach dem ganzen Erlebnis ziemlich fertig, denn es war schon alles sehr emotional für mich. Vor allem auch deshalb, weil ich in dieser Kinderklinik schon sehr viel Zeit verbracht hatte.

Wie sieht es denn bei euch aus? Wart ihr auch schon einmal in der Notaufnahme? Ich hoffe, dass es bei euch auch so positiv ausgegangen ist.

Viele Grüße

 

 

 

 

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